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Die Telekom und die Umstellung von Analog / ISDN auf digitale IP-Telefonie: Welche Möglichkeiten hat der Nutzer?

Zur Zeit macht die Deutsche Telekom bei Call&Surf- bzw. Entertain-Kunden mit einem traditionellen Analog- oder ISDN-Anschluß Werbung für ihren neuen IP-basierten Anschluß. Manche Kunden haben bereits eine Kündigung für ihren bisherigen Tarif bekommen. Was können bzw. sollen betroffene Nutzer nun tun? Und was sind die technischen Hintergründe für eine Umstellung auf IP-Telefonie? Das und mehr erfahren Sie in diesem Artikel.


Komplettpakete für Telefonie und schnelles Breitband-Internet gibt es inzwischen
viele: In der Regel kommen dabei Anschlüsse auf Basis von DSL bzw. Kabel-Internet
zum Einsatz. Die meisten Provider setzen dabei inzwischen für die Telefonie ihrer
Kunden auf Voice-over-IP (VoIP) -  traditionelle analoge Telefonanschlüsse bzw.
ISDN-Anschlüsse gibt es daher bei vielen Anbieter entweder gar nicht (mehr), nur 
noch auf Anfrage bzw. mit speziellen Tarifoptionen und/oder in Abhängigkeit des 
konkreten Standortes.

Die Deutsche Telekom ist dabei bislang ein Anbieter, der in der Vergangenheit 
flächendeckend klassische Analog- und ISDN-Anschlüsse anbot - auch bei den 
diversen hauseigenen DSL-Komplettpaketen.

Vor einiger Zeit begann die Telekom damit, als dritte Anschlußvariante auch den 
sogenannten "IP-basierten Anschluß" (auch als "All-IP-Anschluß" bezeichnet) 
zu vermarketen. Hierbei wird - wie bei vielen anderen Providern auch - die 
Telefonie über den DSL-Anschluß auf Basis des Internet Protocols (IP) abgewickelt. 
Für diese Realisierungsform wird in der Branche oft auch die Bezeichnung 
"Next Generation Network" (NGN) verwendet.

Die Telekom will nun zunehmend Kunden auf diese All-IP-Anschlüsse umstellen:
Die neuen Festnetz-Tarife aus der Reihe Magenta Zuhause sind nur noch als 
IP-Anschluß bestellbar.

Seit neuestem erhalten auch diverse Bestandskunden Briefe oder Anrufe von 
der Telekom bzw. entsprechenden Call-Centern, die sie auffordern, auf einen 
IP-basierten Tarif aus der aktuellen Produktreihe "Magenta Zuhause" umzusteigen.

Anschlußtechnisch gesehen scheint es vor allem Kunden zu betreffen, die bislang
auf bestimmten DSLAM-Typen geschaltet sind (DSLAM = DSL Access Multiplexer =
"die DSL-Technik in der Vermittlungsstelle), die zukünftig durch andere DSL-Technik
ersetzt werden sollen. Neben ADSL-Anschlüssen auf verschiedenen alten ATM-
DSLAMs gilt dies dabei nun aktuell auch für VDSL-Kunden auf Outdoor-DSLAMs 
in Gebieten, die um ca. 2006 herum großflächig für VDSL ausgebaut wurden (siehe 
auch unten Frage 2).

Im Zusammenhang mit dieser Umstellung stellen sich die betroffenen Kunden nun 
oftmals verschiedene Fragen:


1.)  Was ist der Unterschied zwischen Analog, ISDN und IP?


Die analogen bzw. ISDN-Anschlüsse dürften (aufgrund ihrer langjährigen Verbreitung)
sicher den meisten Nutzern bekannt sein.

- Beim analogen Telefonanschluß erfolgt die Übertragung auf der Leitung zum 
  Hauptverteiler  analog. Der Nutzer kann dabei analoge Endgeräte an seiner 
  TAE-Buchse anschließen und verfügt über eine Leitung mit einer Rufnummer.

- Beim ISDN-Anschluß erfolgt die Übertragung digital. Zum Anschluß analoger 
  Endgeräte ist daher ein a/b-Adapter bzw. eine ISDN-Telefonanlage mit analogen 
  Ports notwendig. Der Nutzer kann mit ISDN zwei Basiskanäle gleichzeitig verwenden 
  und drei bis zehn Rufnummern nutzen. Bei den bisherigen Call&Surf-Komplettpaketen
  kostet die ISDN-Variante  (Universal) im Vergleich zum analogen Standardanschluß 
  jeweils 4 EUR/Monat zusätzlich.

- Beim IP-Anschluß erfolgt die Übertragung ebenfalls digital. Allerdings nicht wie bei
   ISDN in einem eigenen Frequenzspektrum auf der Leitung, sondern über die 
   Bandbreite des geschalteten DSL-Anschlusses auf Basis des Internet Procotols 
   (IP). Hinsichtlich nutzbarer   Kanäle und Rufnummern lassen sich VoIP-Produkte
   sehr flexibel gestalten. Die Telekom bietet ihren Kunden mit IP-Anschluß genauso 
   wie bei ISDN zwei Nutzkanäle und drei bis zehn Rufnummern an. Der monatliche
   Grundpreis entspricht aber dem des analogen Anschlußes. Man kann also sagen,
   man bekommt mit dem IP-Anschluß einen Teil der ISDN-Merkmale (zwei Leitungen,
   mehrere Rufnummern) zum Preis des bisherigen Analoganschlußes.


2.)  Muß ich zu IP wechseln oder kann ich Analog/ISDN behalten?


Entscheidend ist: Hat Ihnen die Telekom ein reines Werbeschreiben geschickt oder 
wird die Kündigung eines bestehenden, eventuell heute nicht mehr angebotenen 
Tarifes angedroht?

In ersterem Falle können Sie sich erstmal über die Eigenschaften des neuen 
IP-Anschlußes informieren - siehe hierzu auch die nachstehende Frage 3) - und 
überlegen, ob Sie möglicherweise aktiv auf die IP-basierte Technik wechseln 
möchten. 

Die IP-basierten Tarife aus der neuen Festnetz-Tarifreihe Magenta Zuhause
können - je nach individueller Vertragssituation - eventuell sogar günstiger sein 
als der bisherige Call&Surf- oder Entertain-Tarif eines Bestandskunden. Zudem 
können - je nach Standort - heute möglicherweise schnellere DSL-Anschlüsse 
verfügbar sein, als noch vor ein paar Jahren. Aktuelle Angaben zu den an einem 
Anschluß verfügbaren DSL-Produkten gibt die DSL-Verfügbarkeitsprüfung
auf der Telekom-Homepage
.

Spätestens 2018 wird es aber nach derzeitigem Informationsstand zur 
Umstellung auf IP-Technik voraussichtlich keine Alternative mehr geben.

Wird Ihnen eine Kündigung angedroht oder wurde eine solche bereits ausgesprochen, 
wird die Sache etwas kniffliger. Die Telekom hat inzwischen in ihrem Online-Shop 
die aktive Vermarktung von DSL mit Analog / ISDN für Privatkunden eingestellt.
Die seit Oktober 2014 neu angebotenen Magenta Zuhause-Tarife sind ohnehin seit
Beginn nur als IP-Anschluß erhältlich.

Den zuvor angebotenen Tarif "Call&Surf Comfort" (Doppel-Flat mit DSL 16000)
soll es mit Analog- oder ISDN-Anschluß noch in "Ausnahmefällen" z.B. über 
den telefonischen Kundenservice geben - mit einer offenbar reduzierten 
Mindestvertragslaufzeit von 3 Monaten (wohl damit die Telekom jederzeit 
flexibel kündigen kann). Hierfür sollte der Kunde aber begründen können, 
warum er unbedingt einen Analog- oder ISDN-Anschluß benötigt. 

Argumente hierfür können z.B. spezielle Anwendungen wie Notrufgeräte, 
Schmalband-Datennutzungen oder EC-Cash sein. Eine Zeit lang hat die Telekom
für die Beratung solcher Kunden die Hotline 0800 - 3303000 angegeben. Inwiefern 
man hier ein spezielles Kundenservice-Team erreicht und hierüber eventuell noch 
eher einen Analog-/ISDN-Anschluß bekommen kann, ist unklar.  Ob dieser
"Wunsch" umgesetzt werden kann, soll dabei auch von der jeweils verfügbaren
Netztechnik abhängig sein. Generelle Aussagen hierzu können dabei nicht gemacht
werden.

Zu beachten ist außerdem, daß Produkte mit VDSL und / oder Entertain im
Privatkunden-Sektor grundsätzlich nur noch mit IP-Anschluß geschaltet werden.

Kunden, die einen VDSL-Tarif (mit bis zu 25 oder 50 MBit/s) mit Analog- oder 
ISDN-Anschluß nutzen und zudem in einer der ca. 50 (Groß-)Städte wohnen, die 
in den letzten Jahren großflächig mit sogenannten Outdoor-DSLAM am Straßenrand 
ausgebaut wurden, sollen notfalls sogar aktiv von der Telekom gekündigt werden. 
Hier wird zum Wechsel in den IP-Anschluß wohl keine Alternative mehr bleiben. Die 
betroffenen Städte sind:

Aachen, Berlin, Bielefeld, Bochum, Böblingen, Bonn, Braunschweig, Bremen, 
Darmstadt, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Duisburg,  Erfurt, Essen, Frankfurt/M., 
Freiburg, Friedrichshafen, Fürth, Hagen, Hamburg, Hannover, Kassel, Karlsruhe,
Kiel, Köln, Krefeld, Leipzig, Lübeck, Ludwigshafen, Magdeburg, Mainz, Mannheim,
Mönchengladbach, München, Neuss, Nürnberg, Oberhausen, Offenbach, Oldenburg,
Potsdam, Regensburg, Rostock, Saarbrücken, Solingen, Stuttgart, Ulm, Wiesbaden, 
Würzburg, Wuppertal.

Dort soll die bestehende VDSL-Technik durch neue Vectoring-fähige DSL-Technik 
ohne Splitter ersetzt werden (um auch hier VDSL mit bis zu 100 MBit/s anbieten 
zu können). Private VDSL-Bestandskunden in diesen Bereichen sollen schon relativ 
zeitnah auf IP-Anschlüsse umgestellt werden. VDSL mit Analog bzw. ISDN wird
dort seitens der Telekom voraussichtlich grundsätzlich nicht mehr verfügbar sein.
Nutzer, die hier noch VDSL mit Analog / ISDN haben, sollen auf einen Tarif mit
IP-Anschluß (z.B. aus der Magenta Zuhause - Tarifreihe) umsteigen - sind sie 
damit nicht einverstanden, will die Telekom diese alten Anschlüsse kündigen. Der 
Kündigungstermin ist dabei abhängig davon, wann der Vertrag kündbar ist (bei 
den meisten Telekom-Festnetztarifen beträgt die Bindung zunächst 24 Monate, 
danach jeweils weitere 12 Monate).

Die Umstellung auf einen IP-basierten Anschluß ist einfach online möglich - siehe 
Frage 4 weiter unten.


3.)  Wann ist die Umstellung auf IP-Telefonie ratsam? Wann ist es 
      sinnvoll, analog/ISDN zu behalten? Welche Vorteile bzw. Nachteile 
      hat der IP-basierte Anschluß? Was ist mit speziellen Anwendungen wie  
      Fax, Modemeinwahlen, ISDN-Data, Hausnotruf, etc.?

              
 
    >> Siehe hierzu diesen Hintergrundartikel zum IP-basierten Anschluß
           (öffnet sich in neuem Fenster)


4.)  Wie kann ich die Umstellung auf den IP-basierten Anschluß beauftragen?

Sie müssen als Privatkunde hierfür einfach auf einen der IP-basierten DSL-Tarife 
aus der neuen Tariffamilie "Magenta Zuhause" wechseln. Diese haben Mitte 
Oktober 2014 die bisherigen DSL-Tarife der Telekom (Call&Surf bzw. Entertain) 
abgelöst, welche zuletzt in vielen Fällen auch nur noch als IP-Anschluß angeboten 
wurden.


    -  Klicken Sie auf einen der folgenden Links und Sie gelangen in einem neuen 
       Fenster in den jeweiligen Online-Tarife-Shop auf der Telekom-Website

        >> zu den neuen Magenta Zuhause-Tarifen auf der Telekom-Homepage

    - Gewünschten Tarif auswählen
      (z.B. Magenta Zuhause S, Magenta Zuhause M oder Magenta Zuhause L)

    - Auf der Produktseite des jeweiligen Tarifes auf "Zur Bestellung" klicken

    - Als Bestandskunde mit ihren Kundendaten anmelden

    - Nach erfolgter Verfügbarkeitsprüfung bei Interesse die Bestellung fortsetzen.


5.) Kann ich ISDN-Endgeräte auch nach der Umstellung weiter betreiben?

Viele Router für DSL und VoIP bieten Anschlußmöglichkeiten für analoge Telefon-
bzw. Faxgeräte. Für den Anschluß von ISDN-Telefonen oder ISDN-TK-Anlagen
muß der Router aber auch über einen sogenannten ISDN-S0-Bus verfügen. 

Aktuell bietet die Telekom selbst aber keinen entsprechenden Speedport-Router 
mehr an. Mehr über Alternativen wie den sogenanten "ISDN Adapter" finden 
Sie hier in einem Extra-Artikel.


6.) Wird es irgendwann gar keine Analog-/ISDN-Anschlüsse mehr geben?

Seitens der Telekom war der Abbau des bisherigen Telefonnetzes auf Basis von
TDM-Vermittlungstechnik (Siemens EWSD bzw. Alcatel S12) ursprünglich für etwa
das Jahr 2014 bzw. 2016 angekündigt, inzwischen kursiert hierfür das Jahr 2018.

Technisch gesehen sind zwei Szenarien denkbar: Entweder die Nutzer werden auf 
IP-Anschlüsse umgestellt (und brauchen damit einen VoIP-geeigneten DSL-Anschluß 
und DSL-Router). Oder aber die Kunden bekommen weiterhin einen Analog-/ISDN-
Anschluß bereitgestellt, der dann am Standort des MSAN (Multi Service Access 
Node) auf VoIP/NGN umgesetzt wird. Die MSANs zeichnen sich gerade dadurch 
aus, nicht nur DSL sondern auch andere Dienste (wie eben analoge Telefonie / ISDN) 
mit entsprechenden Linecards anbieten zu können.

Zumindest für "Nur-Telefonie"-Analoganschlüsse ohne DSL soll die Telekom die 
Lösung mit der netzseitigen Umsetzung planen. Für Nutzer mit DSL wird hingegen 
eher die Lösung mit nutzseitigem Voice-over-IP bevorzugt, wie sich bei den oben
angesprochenen Kündigungen von Kunden mit VDSL an Analog/ISDN-Anschlüssen
zeigt. Gerade mit Blick auf den Geschäftskundenbereich stellt sich aber die Frage, 
ob die Telekom hier wirklich alle DSL-Nutzer auf VoIP zwingen will und ob sie auch 
keine ISDN-Anschlüsse auf Basis der neuen MSAN-Technik mehr anbieten will. 
Zumindest im "normalen" Privatkunden-Sektor wird für DSL-Nutzer vermutlich
kein Weg am IP-Anschluß und der damit verbundenen "Umstellung auf IP" 
herumführen.


7.) Was ist, wenn ich an meinem Standort nur "DSL Light" bekommen kann?

Durch andere Dämpfungsregeln und eine geänderte Schaltpolitik bietet die Telekom
inzwischen an vielen Standorten, an denen bislang nur "DSL Light" möglich war, 
höhere Geschwindigkeiten (z.B. DSL 1000 oder DSL 2000) an.

Ungeachtet dessen, kommt bei IP-Anschlüssen nun (sofern verfügbar) der 
sogenannte Annex J-Standard zum Einsatz, bei dem auch das bislang für 
Telefonie freigehaltene Frequenzspektrum mitgenutzt wird. Dadurch läßt sich 
ein deutlich erhöhter Upstream anbieten, mit dem dann auch bei den "kleineren"
DSL-Anschlußgeschwindigkeiten IP-basierte Telefonie realisierbar sein sollte.

Mehr Informationen zu den Tarifen und den Anschlüssen (analog, ISDN, 
IP) der Deutschen Telekom erhalten Sie unter folgenden Links:

 
>>> zur Homepage der Deutschen Telekom
>>> zu den neuen Magenta Zuhause-Tarifen
>>> zur DSL/VDSL-Verfügbarkeitsprüfung der Telekom


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Alle Daten und Angaben ohne Gewähr.


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